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Das Habitat zieht um

22. March 2021 | von Barbara | Augsburg
Neues
... und jede*r kann die Offene Werkstatt dabei unterstützen edit 11.05.: - die crowdfunding-Kampagne war erfolgreich - wir gratulieren!

Irgendwann müssen sie runter vom Dierig-Gelände, das wussten die Menschen vom Augsburger Habitat e.V. von Anfang an. Schon lange steht fest, dass die ehemalige Textilfabrik in der Eberlestraße einer Wohnbebauung weichen muss. In diesem Sommer ist es nun soweit; und nach einer bangen Phase der Raumsuche hat die erst 2018 gegründete Werkstatt endlich eine neue Heimat gefunden, im Kesselhaus des sogenannten Glaspalast.

Die Suche nach Räumen ist für Offene Werkstätten immer eine Herausforderung, während einer Pandemie dürfte es noch ein Level schwieriger sein. Wie es der Verein geschafft hat, seine Werkstatt vor dem Aus zu retten, während das öffentliche Leben zum Erliegen kam? Vielleicht hat gerade der Druck, der durch den Lockdown deutlich anstieg, im Team die nötigen Superkräfte freigesetzt. Die Vorständ*innen ließen sich nicht entmutigen, nahmen immer wieder Kontakt zu den verschiedenen Stadtreferaten auf, luden Stadträte ein, trommelten mit einem Offenen Brief dafür, ihren gemeinschaftlichen Raum zu erhalten. Und dabei trotzdem den eigenen Ansprüchen gerecht zu bleiben. Denn das Ziel war keine Halle in einem Gewerbegebiet, sondern ein möglichst zentral gelegenes Objekt, das viele Menschen gut erreichen können. Mit dem Kesselhaus ist das geglückt. Damit bewegt sich der Verein weiter auf den Spuren der Textilwirtschaft, die Augsburg über Jahrhunderte geprägt hat: Bis 1988 beherbergte der angrenzende Glaspalast eine Baumwollspinnerei und -weberei; riesige Fensterfronten gaben dem Stahlskelettbau seinen Namen. Vom Kesselhaus aus wurden die Anlagen betrieben, der Kamin, der das Gebäude überragt, zeugt von dieser Zeit. Von diesem Sommer an bespielt das Habitat in Kooperation mit der Hochschule Augsburg insgesamt 1600 m² des Industriedenkmals. Ab Mai stehen Ausbauten und Renovierungsarbeiten an, ein Zwischengeschoss wird noch eingezogen, im Juni startet dann der Umzug.

Schon an seinem alten Standort bot das Habitat Platz für Schreinerei, Schlosserei, Siebdruckwerkstatt und Coworking-Büros. Regelmäßig fanden Reparatur-Cafés statt. Künftig sollen noch Foto- und Elektroniklabore, eine Goldschmiede und ein Tonstudio dazu kommen. Das Konzept, einen Teil der eigenen Fläche als Coworking-Space zu betreiben, wird beibehalten. Ein paar feste Mieter gibt es schon – neben der Hochschule, die hier studentische Arbeitsplätze einrichten will, gehört das Webradio Stay FM dazu, das schon vom Dierig-Gelände aus sendete und jetzt mit umzieht.

 

Vorständin Jennifer Leis wünscht sich, dass das Habitat für alle Augsburger*innen zugänglich ist, jenseits von Privilegien und finanziellem Background. Die Werkstatt im Glaspalast soll ein „schönes neues Zuhause“ werden, das möglichst vielen Platz für eigene Ideen bietet und die Menschen vor Ort mitnimmt. Das Team möchte das Quartier nachhaltig mitgestalten und Impulse setzen hin zu einer sozial und ökologisch gerechten Stadtgesellschaft. Dazu gehört auch, sich an Experimente heranzutrauen: Ein anstehendes Projekt beschäftigt sich mit der Frage, wie Nahrungsmittelproduktion in Ballungsräumen künftig aussehen könnte. Co²-freie Mobilität ist ein weiteres Kernthema des Vereins. Schon in der Vergangenheit haben sie Prototypen für ein BikeShelter entwickelt, eine wetter- und diebstahlsichere Abstellmöglichkeit, mit der man auch Lastenräder in der Stadt sicher unterbringen kann. Nun warten sie auf die nächste Förderzusage, um weiter an dem Konzept zu arbeiten. Damit Augsburg den Namen Fahrradstadt irgendwann wirklich verdient.

Im Zentrum der Aktivitäten steht der Ausbau einer gut bestückten geteilten Infrastruktur, rund 420.000 Euro sind dafür veranschlagt; ein guter Teil davon konnte bereits aus eigenen Mitteln gestemmt werden. Edit 11.05: Dank der erfolgreichen Crowdinvesting-Kampagne kann der Verein auch den Rest der kalkulierten Kosten decken: 32 Unterstützer*innen haben dem Habitat ein nachrangiges Darlehen in Höhe von insgesamt 102.000 Euro gewährt und investieren so in die Zukunft der Werkstatt - gemeinsam auf dem Weg zu dem Ort für alle!