Fabulandlabs - bau Dir Dein Hilfsmittel!

Auf Menschen mit besonderen Bedürfnissen warten in den alltäglichsten Situationen nervige Herausforderungen. Wie öffnet man selbständig eine Tür, wenn man im Rollstuhl sitzt? Nur ein geringer Teil unserer Umgebung ist barrierefrei gestaltet; herkömmliche Hilfsmittel aus dem Sanitätshaus sind oft teuer und mitunter nicht ausreichend an individuelle Erfordernisse angepasst. Für viele Probleme, auf die Menschen mit Einschränkungen stoßen, gibt es bislang keine käufliche oder verschreibbare Lösung.

Was also tun, wenn es ein Hilfsmittel noch nicht gibt? Selbst bauen! Im Projekt Fabulandlabs* des Wissenschaftsladen Potsdam entwickeln Menschen mit Handicaps gemeinsam die benötigten Alltagshelfer: Partizipative Prototypenentwicklung – nicht für, sondern mit den Menschen, um deren spezielle Bedürfnisse es geht. Dahinter steckt Mario Parade, einer der Macher des Wissenschaftsladens. Seine Lehrtätigkeit an der inklusiven Potsdamer Montessori-Schule brachte ihn auf die Idee.

Das mobile Satelliten-FabLab ist neben der örtlichen Montessori-Schule auch an der Universität Potsdam und den Oberlin-Werkstätten im Einsatz. Es verfügt über eine Grundausstattung mit CNC-Fräse, 3D-Drucker und Lasercutter, Ziel ist aber, die Prototypen mit einfachen Materialien aus dem Baumarkt zu entwickeln. Das hält die Kosten gering und sichert einen niederschwelligen Zugang für alle.

Die Workshops sind als Makeathon angelegt: Die Teilnehmenden erhalten zunächst eine Einführung in Fablab-Technologien wie z.B. 3D-Drucken und Lasercutten. In einer Brainstorming-Runde geht es dann darum, herauszufinden, welche Hilfsmittel gebraucht werden. Schließlich entwickeln alle gemeinsam die Prototypen.

So sind bereits ein einhändig bedienbarer Gurkenschneider und ein taktiler Speiseplan entstanden. In den Oberlin-Werkstätten mussten sich dort tätige Blinde bisher erst beim Küchenpersonal erkundigen, was es am jeweiligen Tag in der Kantine gibt. Nun können sie es auf dem in Blindenschrift gestalteten Speiseplan selbst lesen. Und auch für das oben erwähnte Türenproblem haben Mario und die Teilnehmer*innen eine überraschend einfache Lösung angedacht: Ausgestattet mit einem Pümpel an einer Teleskopstange kann man aus dem Rolli heraus Türen öffnen und schließen.

Fabulandlabs ist eines von zehn Projekten, die im Rahmen des Wettbewerbs „Light Cares – Photonische Technologien für Menschen mit Behinderungen“ ausgezeichnet wurden. In den letzten Jahren stammen viele Impulse zur Gestaltung von Hilfsmitteln aus der Makerszene. Die Bandbreite reicht von Becherhalterungen bis hin zu Prothesen aus dem 3D-Drucker. Das ebenfalls im Wettbewerb ausgezeichnete Projekt made for my wheelchair des FabLab Berlin, wurde auf der letztjährigen re:publica vorgestellt (Rückblick GIG 2017).

Fabulandlabs läuft noch bis August 2018. Bis dahin, so das Ziel, soll das Satelliten-Lab sich als feste Einrichtung etabliert haben, sodass es an den Projektstandorten auch weiterhin von Betroffenen und Anleiter*innen genutzt werden kann. In den Oberlin-Werkstätten könnten zudem geeignete Prototypen in Serie gehen.

Mehr zum Thema erfahrt ihr z.B. hier.

* Fabricate your Living Aid and Digital Transformation of Laboratories