Yoga und 3D Druck

10. November 2019 | von Thomas Mehwald
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Yoga ist eine tausende Jahre alte Methode zur Befreiung des Geistes, also des Verstandes, der Gefühle, kurz immaterieller Dinge, die in uns sind. Ein Weg und Zustand von Freiheit und Beweglichkeit. Weit mehr als nur Körperübungen, Asana, die allerdings wichtiger Bestandteil des Weges sind. Wir nehmen die Welt auf eine indirekte Weise wahr, über unsere Sinne, unseren Körper, unseren Geist. Das, was uns ausmacht, erkennt und beobachtet die Welt, diesen Zusammenhang zuzulassen ist wichtig. Ich bin selbst nicht völlig überzeugt und das muss ich auch nicht sein, was mich fasziniert, ist die Möglichkeit eines stillen Beobachters, der die Welt wahrnimmt, sie erkennt, der in jedem von uns wohnt. Aus dieser Sicht ist ein 3D Drucker nur ein weiteres Werkzeug zum Erkennen dieser Welt. In Kombination mit computer aided design, computergestütztes Design (CAD) Programmen kommen Dinge in die Welt; Gestaltungen, Ideen, die der Verstand sich ausgedacht hat, basierend auf dem inneren Wunsch, die Welt besser zu verstehen.

Ein 3D Drucker, Fräse, Laser Schneider, eine Werkstatt sind also Begleiter, Werkzeuge für Menschen zum Erkennen der Welt, wie sie ist. Das, worum es im Leben eines jeden Menschen geht- aus der Perspektive des Yoga- sind Erkenntnis und Befreiung. Befreiung von Bildern über die Welt, über sich selbst. Befreiung von Gedanken, die gefangen halten, die das Bewusstsein dominieren, bewusst-sein verhindern. Eine Werkstatt, Technik, hilft, den Verstand zu schärfen, ihn seiner Funktion zuzuführen: logisch und rational Dinge zu erinnern, zu reflektieren, zu planen. Wir sind nicht gemacht, um in Sorge zu leben. Wir sind nicht gemacht, zu idealiseren, zu verbannen. Wer das tut, der bindet enorme Energien in Selbstblendung. Solche Menschen werden auf diese oder jene Weise immer nur Mittelmass produzieren.

Das ist, womit in der Arbeit mit Jugendlichen gerechnet werden kann: die einfachen Mechanismen der Angst und des Sorgen machens beginnen zu wirken. Antrainiert durch langweilige Schule, alberne soziale Medien, Konsumdruck, gesellschaftliche Entwicklungen mit denen Jugendliche oft allein umgehen müssen, weil Vorbilder fehlen. Der Verstand funktioniert nicht mehr richtig, ist nur noch mit Sorgen machen beschäftigt, dreht sich um sich selbst.

Ziel ist also Klarheit des Geistes. Technik als Leistung des Verstandes ist ein guter Weg, sich der Klarheit des eigenen Geistes zu nähern. Mathematik als Werkzeug des Denkens, die Grundlage zum Bau von Werkzeugen und der Herstellung von Rechenmaschinen und Dingen, zum Verstehen der Welt. Technik kann deshalb so ein guter Weg sein, den Verstand zu begreifen, weil sie eben ein Produkt dessen ist.

 

Ein nächster Schritt in unserer Arbeit ist der Laser Schneider. Der Laser selbst ist ein fasznierendes Produkt des menschlichen Geistes. Und ist sozusagen auch ein Spiegelbild dessen, fähig aufs Klarste die Umwelt zu untersuchen und aufzuteilen, zu schneiden und zu kühlen. Zu kühlen? Ja, Laser werden genutzt um Partikel auf Temperaturen unter -270 Grad Celcius zu kühlen, um ihre quantenmchanischen Eigenschaften auszunutzen, wie zum Beispiel in Quantencomputern. Diese Computer nutzen Eigenschaften von Materie, unter extremen Bedingungen in mehreren Zuständen gleichzeitig sein zu können. Diese sogenannte Superposition ermöglicht nicht nur massive Zugewinne in Rechenkraft, sie hat auch verblüffende Ähnlichkeit mit der Meditation. Was sich erst wie ein riesiger Energieaufwand anfühlt, wird irgendwann zur Routine, es offenbart sich der Ursprung allen Seins- der Kosmos, die Quelle: kalt, dunkel, still und leer.