Offene Werkstätten bewegen was!

Ausgezeichnet! Stellvertretend für alle Offenen Werkstätten wurde der Verbund als ein Projekt der UN-Dekade 2005-2014 "Bildung für nachhaltige Entwicklung" geehrt. Nein, das bringt kein Geld, aber Ruhm und Ehre in Form einer Urkunde und des schönen Logos, das seit neuestem unsere Webseite ziert. Günter und Marion Schütz aus dem Vorstand haben die Auszeichnung vergangenen Mittwoch bei einer feierlichen Verleihung am Rande der Bildungsmesse didacta in Stuttgart entgegen genommen.

"Bildung für nachhaltige Entwicklung" - der eine oder die andere mag sich fragen, was man sich darunter vorzustellen hat und in welcher Form dies in den Werkstätten zum Tragen kommt. Es gibt einen neuen Menüpunkt BNE, der das Prinzip dahinter anhand der praktischen Tätigkeit verschiedener Projekte erläutert.

Wer sich für den theoretischen Hintergrund interessiert: Vor fast drei Jahrzehnten hat die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung den sogenannten Brundtland-Report veröffentlicht. Er gilt als Meilenstein im internationalen umweltpolitischen Diskurs. Mit seiner Definition von nachhaltiger Entwicklung als einer„ [..]Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ lieferte der Bericht eine Formel, die noch heute gern zum Einsatz kommt, um umweltpolitische Ziele zu beschreiben - und die noch längst nicht eingelöst ist. Der ursprünglich aus der Forstwirtschaft entlehnte Begriff der Nachhaltigkeit verdankt dem Report seine steile Karriere, die zu einem fast inflationären Gebrauch und einer Verwässerung dieses eigentlich sehr ausdrucksstarken Wortes geführt hat.

Die 1992 in Rio de Janeiro beschlossene Agenda 21 erhob die "nachhaltige Entwicklung" schließlich zum Leitbild der internationalen Umweltpolitik. Mit dem Ziel, Bildungsinstitutionen für die damit verbundenen Konzepte zu interessieren, erklärte die UN-Generalversammlung den Zeitraum zwischen 2005 und 2014 zur Weltdekade der "Bildung für Nachhaltige Entwicklung". In der Folge zeichnete die deutsche Unesco-Kommission jährlich Projekte und Kommunen aus, die sich hierzulande für BNE einsetzen.

Die Agenda 21 und ihre Umsetzung auf kommunaler Ebene stießen allerdings auch auf Kritik  – so bemängelten Umweltorganisationen etwa fehlende demokratische Strukturen oder die Verwendung missverständlicher Modewörter. Und statt eines "grünen" Wachstums, wie es in den Kerngedanken der Agenda formuliert ist, scheint inzwischen die Vorstellung einer Postwachstumsgesellschaft als Antwort auf ökologische und soziale Krisen zielführender. Nun neigt sich die Dekade dem Ende zu und es stellt sich die Frage, wie die Folgeaktivitäten aussehen könnten. Im Focus der Diskussion steht die „große Transformation“, der Wandel hin zu einer postfossilen Gesellschaft. Im Anschluss daran lautet das Motto des letzten Dekadenjahres 2014 „Brücken in die Zukunft“.

Angesichts dieser Losung freuen wir uns ganz besonders über die Auszeichnung als eines der letzten Dekade-Projekte! Weil Anerkennung gut tut. Weil Nachhaltigkeit für die meisten Offenen Werkstätten kein Modewort, sondern ein Grundprinzip des gemeinschaftlichen Arbeitens ist - sie geben diesem oft missbrauchten Begriff ein authentisches Gesicht. Und weil es tatsächlich viel zu tun gibt, wenn wir die Welt retten wollen ;-)