Holzbauworkshop - Werkraum W #1

Vom 13. - 15. April haben im Rahmen des explore-Projekts Werkraum W acht Jungen aus einem Kinder- und Jugendhaus im Alter zwischen 14 und 16 Jahren in den Werkstätten von Halle36 mit Holz gebaut und auch ein bisschen in die anderen Werkbereiche reingeschnuppert. Projektmacherin Lätitia Norkeit berichtet über das erste Workcamp:

Ausgangslage: Die Kinder leben übergangsweise oder permanent in einer Einrichtung der Jugendhilfe. Die meisten der Kinder haben Kontakt zu ihren Müttern. Wenige hatten bisher Zugang zu handwerklichen Arbeiten.  Alters- und herkunftsbedingt agieren die Kinder sehr konsumorientiert, ein selbstgemachtes „markenloses“ Produkt stellt zunächst keinen Anreiz da.

Ablauf: Die ersten Stunden waren zunächst chaotisch, alle Ideen oder Absprachen wurden teilweise verworfen oder waren nicht mehr aktuell. Auch mussten die Werkstätten und Personen geprüft werden, was ist schlecht oder gut. Wie sind die Rahmenbedingungen, W-Lan und Essen war zunächst wichtiger wie das „Werkeln“. Nach einiger Zeit war es möglich, individuell Ideen anzuregen oder einen realitätsbezogenen Konsens zu finden, und dann gings richtig los. Nicht jeder wollte etwas Eigenes bauen, manche waren zunächst zurückhaltend, halfen dann aber den Freunden. Dann war jeder beschäftigt und es gab sehr schöne Momente eines richtigen Workflows, gemeinsamen Planens, Tüftelns, und auch Speisens. Sätze wie „Ich komm hier jedes Wochenende her!“ oder „Ich bau mir was ganz Eigens!“ oder „das ist ja eine tolle Möglichkeit, etwas Richtiges zu lernen“ (etwas Herstellen und mal nicht zocken...) fielen. Zwischendurch musste aber auch immer wieder mit Werkzeugen posiert werden oder beurteilt und kommentiert werden, was jeder so draufhat.


Ein Hochbeet entsteht...

Der 2. Tag war gut, da ja bereits die Rahmenbedingungen feststanden. Zwischendurch kommt immer wieder Leerlauf oder Übermut auf, alles im grünen Bereich. Schön war zu sehen, was unsere Werkstatt so alles hergibt und ein Nebeneinander von unterschiedlichen Gewerken wie Stühle bauen, Roboter aus Lego Mindstorms, Programmieren und dann noch eben den 3D-Drucker anschmeißen, ist schon toll und sehr anregend. Aufwändig für uns war das Einkaufen und Essen bereitstellen, ohne das wäre aber dieses intensive Erleben von drei Tagen Bauen, Machen und Tun nie entstanden. Zwischendurch halfen die Jugendlichen auch beim Kochen, im Nachhinein, wenn man dann alles gut überstanden hat, sieht man auch darin sehr positive Aspekte, für die Stimmung und auch das soziale Miteinander.

Der 3. Tag war nach Ansicht von einigen Kindern nicht mehr nötig, aber einige brauchten auch die Zeit zum Fertigstellen ihrer Möbel. Zum Abschluss wurde bei schönem Wetter gegrillt.

Die Ergebnisse: Fußballtor, Liegestuhl, Hochbeete, Sitzbank, Legoroboter, 2 gedruckte Herzen und einige Experimente...

Besonders gut war, dass zeitgleich die Gestaltung des Gartens im Kinder- und Jugendhaus in Brieselang geplant war, so dass die gebauten Werke direkt zur Verschönerung des Gartens eingeplant wurden und gleichzeitig ein Beitrag zur Partizipation der Kinder sind. Die Stimmung als auch der gelernte Umgang mit Akkuschraubern und Schleifgerät konnte aufgegriffen und fortgesetzt werden und es ging nach den Osterferien weiter mit der Arbeit im Garten, es wurde sowohl handwerklich gearbeitet als auch gegärtnert. Die Jugendlichen halfen freiwillig und mit Ausdauer und Lust mit, (das war nicht immer so) - vielleicht ein positiver Nachhall des Projektes?

Sind die ersten Schwierigkeiten überwunden, wird unerwartete Energie und Ausdauer frei, man muss ja auch etwas beweisen, sich selber und der Gruppe, und es macht ja auch Spaß.
Belohnt wird man als Projektleitung und Anleiter von guten Ergebnissen, die möglicherweise eigenen starren Vorstellungen oder gar Perfektionismus widersprechen und sein persönliches Repertoire bereichern und jede Menge Spaß. Denn: Geht nicht, gibt’s nicht. Wichtig ist, dass das Erzieherteam absolut hinter dem Projekt steht und mitmacht, das war in diesem Fall so und sehr unterstützend.

Konkrete Ideen für Jugendeinrichtungen (oder offener Bereich):
- Workcamp mit selbstgemachten Produkten für die Einrichtung (Garten, oder eigene Fitnessgeräte...)
- eigene Labels
- 3 Tage offene Werkstatt für Einrichtungen, mit allem, was man so zu bieten hat, vom selber Kochen bis zum 3D Druck (ähnlich wie jetzt, mit gesammelten Erfahrungen)
- Fahrrad und Handyreparaturcafé für Jugendliche