Abschied: Lisa Redler zieht sich aus dem HEI zurück

Seit seiner Gründung hat Lisa Redler das Münchner Haus der Eigenarbeit begleitet. Nun ist Schluss: Ende Juni zieht sie sich zurück und übergibt die Leitung des HEI an die Soziologin Sylvia Henrich.

 

Lisa stieß Ende der 1980er Jahre zum Team, als Eigenarbeit noch ein kaum gebräuchliches Kunstwort war. „Unerhört neu“ sei das HEI damals gewesen. Als Sozialwissenschaftlerin führte Lisa die Begleitforschung zu dem bundesweit einzigartigen Selbermach-Zentrum durch. Die Idee, professionelle Werkstätten zu schaffen, die für die Nutzung durch Laien offenstanden, stellte in diesen Jahren ein revolutionäres Konzept dar. Dass die Werkräume zwar frei verfügbar für jede/n, aber trotzdem nicht kostenlos zu haben waren, sorgte bei einigen BesucherInnen anfangs für Verwunderung, erinnert sich Lisa.

Holz, Keramik, Papier und noch viel mehr: Impressionen aus dem Münchner Haus der Eigenarbeit

 

Auch als Geschäftsführerin der anstiftung (heute Stiftungsgemeinschaft anstiftung &ertomis) blieb Lisa dem Haus in besonderer Verantwortung verbunden. Sie setzte sich maßgeblich für den Aufbau der Zusammenarbeit mit Schulen ein und konnte schließlich das Kultusministerium vom HEI als Praxispartner überzeugen. Heute sammeln dort jährlich rund tausend SchülerInnen aus München und Umgebung erste handwerkliche Erfahrungen; das Haus ist mit vielen Schulen aus der Region vernetzt. Als praktischer Lernort ist es aus der Bildungslandschaft Münchens kaum mehr wegzudenken, auch wenn es nach Lisas Einschätzung zunehmend schwieriger wird, gegen zertifizierte Bildungsträger zu bestehen.

 

Seit 2006 schließlich stand Lisa dem HEI als Leitung vor. Einige neue Projekte konnte sie in dieser Zeit auf den Weg bringen, etwa die HEI-Tec-Werkstatt, die seit 2010 das Angebot ergänzt. Seit zwei Jahren findet regelmäßig ein Repair Café statt, in dem sich Lisa auch weiterhin ehrenamtlich engagieren möchte. Ansonsten will sie sich komplett aus der Verantwortung zurückziehen. Dem HEI wünscht sie, dass sich auch zukünftig die freundliche Atmosphäre erhält, die BesucherInnen besonders schätzen. Und die Vielfalt: Dass dort unterschiedlichste Menschen an ihren Projekten arbeiten, gemeinsam aktiv und kreativ sind, ist zum Markenzeichen geworden. Eine gute Basis für einen erfolgreichen Fortbestand.

Lisa restauriert einen Stuhl in der Holzwerkstatt, den sie 1976 von ihrem ersten Gehalt  gekauft hat

 

Für den vor ihr liegenden neuen Lebensabschnitt hat sich Lisa einen „5-Jahres-Plan“ überlegt: Fünf Sprachen hat sie in ihrem Leben gelernt, neben Englisch, Französisch und Spanisch auch Polnisch und Russisch. In den kommenden Jahren will sie nun jeweils drei Monate pro Jahr in einem Land leben und arbeiten, in dem sie diese Sprachkenntnisse auffrischen kann – los geht es 2015 mit England. Danach zieht es sie vielleicht ins russische Altai-Gebirge. Was sie da tun will? Lisa ist offen für vieles, von der Landwirtschaft bis zur Freiwilligenarbeit kann sie sich eine Menge vorstellen.

 

Der Verbund Offener Werkstätten, dessen Entwicklung Lisa ebenfalls tatkräftig unterstützt hat, dankt für die tolle, anregende Zusammenarbeit der vergangenen Jahre und wünscht alles Gute und viele spannende Erlebnisse im (Un-)Ruhestand!