40 Jahre MOTTE!

Das Hamburger Stadtteil- und Kulturzentrum MOTTE feiert kommenden Sonntag, den 17.07., seinen 40. Geburtstag: Seit 1976 setzt sich die MOTTE in Ottensen dafür ein, niederschwellige Kulturangebote für Groß und Klein zu schaffen.

Dass soziokulturelle Ziele bei der nachhaltigen Gestaltung des Quartiers inzwischen eine ernstzunehmende Rolle spielen, ist zu einem guten Teil Verdienst der Menschen hinter der MOTTE und der vielen ehrenamtlichen Helfer*Innen. In einem großen Festakt Anfang Juli hat die MOTTE ihr 40jähriges Jubiläum bereits gemeinsam mit der Kulturpolitischen Gesellschaft begangen. Die Feier mit der KuPoGe, die ebenfalls Mitte der Siebziger in Altona gegründet wurde und sich für kulturpolitische Anliegen einsetzt, hat seit rund 20 Jahren Tradition. Nun steht am kommenden Wochenende das eigentliche Geburtstagsfest an: Mit Musik, Ausstellungen und Leckereien wird in der MOTTE und im angrenzenden Gemeinschaftsgarten ab 14 Uhr gefeiert.

Die letzten Jahre haben für das Stadtteil- und Kulturzentrum einschneidende Veränderungen gebracht: 2009 konnte der Verein den Mietvertrag um weitere 30 Jahre verlängern. Das dauerhafte Mietverhältnis wurde allerdings an umfangreiche Baumaßnahmen geknüpft: Seit 2011 werden die Räume in der ehemaligen Schokoladenfabrik, in denen sich die MOTTE eingenistet hat, saniert und umgebaut, um die nötigen Brandschutz- und Arbeitsstättenauflagen zu erfüllen. Mittlerweile ist ein Großteil der Umbauten abgeschlossen.

Das Angebot der MOTTE ist breit gefächert, richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene, eingesessene Hamburger und geflüchtete Menschen. Gemeinsames Ziel der verschiedenen Bereiche ist es, kulturelle Bildung für alle zu ermöglichen.

Da gibt es etwa die Ohrlotsen, bei denen Kinder und Jugendliche selbst Hörspiele oder Radiosendungen gestalten können. Die Medien-Workshops reichen von analog bis digital und wollen den Nutzer*Innen ein breites Verständnis medialer Gestaltungsmöglichkeiten vermitteln.

Mit Hühnerschar und Bienenstöcken sorgt die MOTTE außerdem dafür, Natur in der Stadt erlebbar zu machen. Seit 1986 gackert und kräht es auf der ehemaligen Brachfläche an der Rothestraße. Somit feiert der Hühnerhof dieses Jahr ebenfalls einen runden Geburtstag.

Von Anfang an gehörten auch Offene Werkstätten zum Angebot: In der MOTTE kann man Textilien mit Seidenmalerei oder Siebdruck veredeln, sein Fahrrad oder Motorrad reparieren, es gibt ein Fotolabor, eine Metallwerkstatt und noch einiges mehr.

Die Werkstätten waren von den Baumaßnahmen der letzten Jahre stark betroffen. Damit einher gingen auch einige Umstrukturierungen, die die Autonomie des Vereins in der freien Gestaltung  der Angebote eingeschränkt haben. Trotzdem blieb der ursprüngliche Werkstattansatz erhalten. Inzwischen konnten alle Räume bis auf die Holzwerkstatt wieder eröffnen. Im alltäglichen Betrieb arbeiten die einzelnen Gruppen weiterhin weitgehend eigenverantwortlich, Aufräumen und interne Organisation bleiben ihnen überlassen. Anders sieht es künftig bei der Belegung der Räume, der Wartung von Maschinen und nötigen Fortbildungen aus: Weil die MOTTE aufgrund der Grundsanierung als Versammlungsstätte gilt, muss sie als Träger nun die Verantwortung dafür übernehmen.

Wie viele Werkstätten und Kulturzentren freut sich auch die MOTTE immer über Neulinge. Von Gruppen, die sich mit eigenen Projekten und Ideen in der MOTTE einbringen möchten, erwartet Geschäftsführer Michael Wendt:

„- Starkes Engagement. Für das eigene Anliegen und die internen Hausangelegenheiten, die die Gruppe vorfindet.
- Rege Kommunikation mit den bereits im Standardangebot befindlichen „Anderen“. Man erhält dadurch auch Fürsprecher*innen, die es oft in internen Angelegenheiten braucht.
- Bereitschaft zur Teambildung und Verantwortungsübernahme für fachliche Anliegen.
- Bereitschaft, sich auf eine gemeinsame Zielsetzung einzulassen. Also immer auch die Gemeinsamkeit mit dem Standort bzw. der Organisation suchen.
- Klare (eigene) Vorstellungen entwickeln und kommunizieren. Dazu gehört auch die eindeutige Absprache über die Zeitressource, die eingebracht werden möchte.
- Klare Haltung gegenüber den Besucher*innen des eigenen Angebotes: nicht mit den Besucher*innen gemeinsam Besucher sein, sondern „Gastgeber“. Das betrifft die Ansprache (Willkommen) sowie die Verantwortlichkeit, z.B. Aufklärung über die Fluchtwege, den Brandschutz und anderen wichtige Vorschriften, bei denen die Besucher*innen auf die Kenntnis der „Gastgeber“ angewiesen sind.“

Für Interessierte gibt es in der MOTTE vielfältige Möglichkeiten, anzudocken und sich einzubringen. Werkstattgründer*Innen außerhalb der Reichweite der MOTTE rät Michael Wendt: „Habt Mut und macht. Geht auf bestehende Einrichtungen zu - wenn es sie vor Ort gibt -, sucht Unterstützung und gebt denen etwas zurück, indem ihr den gemeinsamen Dialog sucht. Ihr seid wichtig. Das Neue und Andere ist wichtig.“