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30 Jahre Eigenarbeit - Austellung im HEi

Seit einigen Jahren liegen Offene Werkstätten, ob FabLabs oder klassische Gewerke, im Trend. Als das HEi am 07.Oktober 1987 seine Pforten öffnete, war Eigenarbeit noch ein weitgehend unbekannter politischer Begriff; die Idee, professionelle Werkstätten für Laien zu schaffen, erschien revolutionär. Inzwischen ist das Haus längst zum Vorbild etlicher anderer Einrichtungen geworden – es ist der Prototyp einer Offenen Werkstatt und wiederkehrender Gegenstand in der sozialwissenschaftlichen Forschung der anstiftung. Rund um das Selbermachen ist ein Kult entstanden, der erfahrenen Werkstattmacher*innen mitunter sogar unheimlich sein dürfte. Allein in Deutschland gibt es mittlerweile Hunderte Offene Werkstätten, das Thema DIY erlebt eine erstaunliche Medienpräsenz.

Werkstücke aus dem HEi

Zum runden Geburtstag hat die Münchner Werkstatt eine Ausstellung auf die Beine gestellt: "30 Jahre Eigenarbeit" zeichnet in verschiedenen Modulen die Entwicklung der Offenen Werkstätten nach und beleuchtet verschiedene Aspekte des aktuellen Booms. "Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?" – diese Frage hat Oliver Kurz, Vorstand des HEi und Kurator der Ausstellung, bei der Gestaltung angetrieben.  Auf einem "Zeitstrahl" können die Besucher*Innen die Geschichte des Selbermachens verfolgen und sich ins Gedächtnis rufen: Das eigenständige Herstellen von Dingen war vor nicht allzu langer Zeit Alltag in dörflichen Gemeinschaften. Heute ist Eigenarbeit ein Luxus; verlorengegangene Fertigkeiten, die sich Menschen in postindustriellen Gesellschaften mühsam zurückerobern müssen.

Bewegte Geschichte: Mitte der 90er kämpfte das HEi um seine Existenz

Welche heilsamen und befreienden Auswirkungen das für die/den Einzelne/n haben kann, verdeutlichen die Stimmen der Nutzer*innen. Da berichten manche, dass sie sich „ins Leben zurückgeschweißt“ haben oder ihnen das Kennenlernen ihrer verborgenen Fähigkeiten den Mut gegeben hat, eine Familie zu gründen. Bewegende Einblicke, die zeigen, was Menschen gewinnen können, wenn sie sich darauf einlassen, Dinge selbst herzustellen.

Und das geht in den unterschiedlichsten Konstellationen, Strukturen und Orten. In den "Werkstatt-Portraits" erfahren die Besucher*innen mehr über die Vielfalt der Projekte: Von den Nachbarschaftsgärten in Leipzig bis zu Habibi Works, die mobile Werkräume in Katsikás, einem Geflüchtetenlager im griechischen Ioannina, betreiben.

Oben: Die Nachbarschaftsgärten Leipzig, unten: Metall- und Textilwerkstätten in Katsikás

Werkstätten sind dabei weit über die individuelle oder Gruppenebene hinaus wirksam. Längst sind sie nicht nur Spielort für Subkulturen, sondern Begegnungsstätte für viele. Hier treffen alternative Wirtschaftsformen des Teilens und Tauschens auf Gründer*innen der Kreativwirtschaft, altes Handwerk wird bewahrt, neue Technik entwickelt und erprobt.

Seit ihren Anfängen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben sich Offene Werkstätten als Gemeinschaftsorte etabliert. Trotzdem kämpfen viele Projekte um ihre Existenz, um Räume, finanzielle oder materielle Unterstützung. Schaffen sie es, sich einen festen Platz in der Gesellschaft zu erobern? In Anlehnung an Lorenz Erdmann und Ewa Dönitz werfen die "Zukunftsbilder" einen Blick auf Eigenarbeit im Jahr 2030 und regen an, darüber nachzudenken, welche Funktionen die Werkstätten künftig einnehmen könnten: Als Orte, die nachhaltige Lebensstile zusammenführen; an denen handwerkliche Fertigkeiten vor dem Vergessen gerettet werden; wo kollaborative Arbeitsräume Platz bieten für neue Wertschöpfungskonfigurationen.

Am 15.09. ab 19:00 Uhr lädt das HEi zur feierlichen Eröffnung ins Werkstatt-Café. Bis zum 07.11. ist "30 Jahre Eigenarbeit" dort zu sehen. Und die Ausstellung darf gerne wandern! Werkstätten, die sie in den eigenen Räumen zeigen möchten, melden sich unter welcome@hei-muenchen.de.